Vom Versuch als Ergebnis: Roman Signer

»Ich habe schon wochenlang gearbeitet, und es hat nichts dabei herausgeschaut. Das hat mir überhaupt nichts ausgemacht. Ich liebe den Versuch, und der Versuch hat auch die Möglichkeit des Scheiterns in sich – eine grossartige Freiheit! Die Natur manifestiert sich auch wenns misslingt – es will halt so …« R.S.

Bildschirmfoto 2017-04-30 um 19.41.38

Seine lange Freundschaft zu Peter Liechti (der Film von Liechti namens Signer’s Koffer lief 2013 auf dem DOK Leipzig: LINK) basierte u.a. auf ein tief geteiltes Verständnis davon, den Versuch mit all seinen Risiken nicht als Problematik zu betrachten, sondern vielmehr als einen dynamischen Antrieb der kreativen Entfaltung. Der Fehler bzw. das Scheitern: eine hinnehmbare Seitenerscheinung einer absoluten Freiheit.

Spricht Werner Herzog in Tokyo Ga von Wim Wenders über eine „beleidigte Landschaft“, derer man sich als Filmemacher zu entledigen hat, indem man neue Bilder einfängt, so ist es bei Signer die Erwartungshaltung des Betrachters, die möglicherweise enttäuscht werden wird. Umgangen wird dies über die Komik, doch enthält der Film von Peter Liechti sehr viel mehr als nur Klamauk. Es ist ein Portrait ganz nah am Menschen Signer, dessen Persönlichkeit eins zu eins in die Werke übertragen ist. Die Reflexion wird vollzogen durch die Ausführung; und zwar explizit in diesem Moment. Signer verwendet sich selbst als Material des Ausdrucks und der Vergegenwärtigung. Ein großartiger Künstler mit Scharfsinn genau dort, wo dieser unerwartbar zu sein scheint: nämlich just an der Kante zum Unsinn.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.